Generalisierung der Ergebnisse

Die Generalisierung oder Verallgemeinerung der Forschungsergebnisse empirischer Studien unter Einsatz der dokumentarischen Methode, erfolgt üblicherweise durch eine Typenbildung. Bohnsack führt hierzu mehrere Typiken an, die als Basis für die Typenbildung herangezogen werden können1 (z.B. Geschlechtstypik, Generationstypik usw.). Wie an diesen Typiken schon erkennbar ist, beziehen sie sich auf Studien, in denen biographische oder soziale Zusammenhänge erhoben werden. Die Fragestellung der vorliegenden Arbeit, in der die Einstellung zu Themen bzw. zum Einsatz von Technologien im Arbeitsumfeld erhoben werden, um so mehr über deren Relevanz bzw. Möglichkeiten zu erfahren, geht nun doch in eine etwas andere Richtung.

Von Przyborski und Wohlrab-Sahr wird zwar der Einsatz von Gruppendiskussionen in der Organisationskulturforschung2 sowie der dokumentarischen Methode in der Medien-, Rezeptions und Technikforschung3 erwähnt. Zumindest im ersten Fall handelt es sich aber wieder um eine Untersuchung, die sich mit "der Bedeutung der betrieblichen Kultur für die Gleichstellungsbereitschaft von Unternehmen"4 auseinandersetzt, was wieder ins Bild passt (Geschlechtstypik). Der Einsatz der dokumentarischen Methode im Bereich der Technik- bzw. Organisationskulturforschung, scheint noch nicht der Regelfall zu sein und möglicherweise ist die generelle Übernahme der Methode, im speziellen der Typenbildung, hier als Ergebnis zu hinterfragen bzw. nur bezogen auf das jeweilige Forschungsinteresse sinnvoll.
Für die vorliegenden Arbeit gilt überdies, dass, aufgrund der fehlenden Forschung zum Thema und dem gewählten Sample bestenfalls Ansätze zu einer Typenbildung entwickelt werden könnten bzw. die Grundlagen für die Vorbereitung weiterer Erhebungen abgeleitet werden könnten, die dann im Weiteren eine Typenbildung ermöglichen. Aus den Diskussionen würden sich hier Anknüpfungspunkte ergeben, in denen beispielsweise die Charakteristik der Organisation (z.B. Größe, Organisationstyp usw.) Basis für die Typenbildung ist. Weiters könnte die Typenbildung am Hintergrund und der Grundhaltung der Diskussionsteilnehmern festgemacht werden (z.B. Ausbildung, aufgeschlossen für Neuerungen (technikaffin) usw.).

Anstatt einer Typenbildung, die nur der Versuch wäre, die Ergebnisse dieser Untersuchung in ein methodisches Schema zu pressen, dem sie nicht gerecht werden würden, möchte ich Ansatzpunkte zum Verständnis der Themen "Wissensmanagement" und "Semantic Web" und deren Zusammenhang im Organisationsumfeld herausarbeiten. Dabei wird aber versucht, wenn die Ergebnisse dies nahelegen, Schlüsse auf die zuvor angeführten Anknüpfungspunkte zur Typenbildung einzubeziehen.

Das Wissensmanagementparadoxon

In allen durchgeführten Diskussionen wird ganz klar die Notwendigkeit eines strukturierten, einfachen Zugangs, zum in der Organisation vorhandenen Wissen, sowie zum Sammeln und Dokumentieren des Wissens im Unternehmen, angesprochen. In keiner der Organisationen, in denen die Diskussionen durchgeführt wurden, scheint es dies zu geben. Wissensmanagement ist zwar ein Thema, das allen wichtig erscheint, das aber in keiner der Organisationen wirklich übergreifend etabliert ist. Mit Ausnahme der Gruppe "DaF" in der eine Person für den Bereich "Wissensmanagement" zuständig ist, wird in keiner der Diskussionen erwähnt, dass es in der Organisation für Wissensmanagement zuständige Personen gibt.

In allen Diskussionen werden aber Ansätze für Wissensmanagementaktivitäten präsentiert, die teilweise auch gar nicht als Wissensmanagement gesehen werden ("Km: ... I hab a eigentlich ned gwusst, wie viel wir eigentlich schon machen ..." 334, Gruppe "DaF"). Diese Ansätze sind aber nicht organisationsübergreifend, sondern haben sich eher aus der Arbeitsweise in den einzelnen Abteilungen entwickelt. So wird die Situation durchaus  auch in einer Organisation sehr unterschiedlich beschrieben ("Hm: Bei uns funktioniert das eigentlich schon recht gut. Also über den Schritt sind wir eigentlich schon hinaus. ... Fm: Ja, wir sind da gerade am Anfang.", 577-579, Gruppe "Technik") oder Wissensmanagement wird generell als etwas allgemeingültiges gesehen, das von selbst passiert bzw. automatisch gemacht wird ("Bm: ... überhaupt generell wird das einfach gemacht ..." 42, Gruppe "Doku" | "Fm: Wissensmanagement gibt's überall ..." 30, Gruppe "Technik").

Unter diesem Gesichtspunkt scheint Wissensmanagement also etwas zu sein, das "jeder braucht", aber "keiner macht", zumindest nicht strukturiert und auf ein allgemeines organisationsübergreifendes Konzept basierend. Mögliche Gründe dafür werden im Weiteren noch Thema sein. Hier sollen noch abschließend die wesentlichen Funktionen aufgezählt werden, die Wissensmanagement für die Teilnehmer der Diskussionen erfüllen kann/soll:

  • Sammeln, verwalten, aufbereiten und zugänglich machen von Wissen.
  • Interne Weiterbildung (Schulungsprogramm, "Corporate Universities").
  • Erfahrungen aus Projekten festhalten ("Lessons Learned").

Alles eine Frage Unternehmenskultur?

Sobald es um die Frage der Einführung von Wissensmanagement in der Organisation bzw. um das Funktionieren bestehender Ansätze geht, kommt in den Diskussionen immer dasselbe Thema zur Sprache. Es fehlt an der Zeit, einerseits um Wissen zu sammeln und aufzubereiten, andererseits um sich das bestehende Wissen "abzuholen", denn beides ist eine Tätigkeit, die neben der laufenden Arbeit erledigt werden müsste und dafür bleibt wenig bis gar keine Zeit. Dadurch, dass strukturierte organisationsweite Ansätze fehlen (siehe oben) ist Wissensmanagement eigentlich eher ein "Privatvergnügen", das man sich eben nur leisten kann, wenn Zeit dafür ist ("Pm: ... es is ja oft auch gar ned böswillig, dass man nix dokumentiert, es is ja oft eine Zeitfrage a, und dass man auch die Zeit nicht hat und man würde ja gern was machen ... " 954-955, Gruppe "Energie").
Das Thema Zeit ist im übrigen ein Punkt, der auch im Zusammenhang mit dem "Semantic Web" in allen Diskussionen angesprochen wird. Der Einsatz semantischer Technologien soll, oder besser darf für den Benutzer keinen zusätzlichen Aufwand bedeuten. Eine Grundvoraussetzung wäre also, Strukturen und Richtlinien zu schaffen, die Wissensmanagement zu einem Teil der laufenden Arbeit machen. Dazu müsste es aber als Thema organisationsweit betrieben werden und das ist, auch da sind sich die Teilnehmer der einzelnen Diskussionen einig, eine Entscheidung die auf Managementebene getroffen werden muss ("Fm: ... wenn ma jetzt vom Unternehmen sprechen, muss das Unternehmen die Kultur haben und sagen, diese Zeit müssen wir uns jetzt einmal nehmen" 769-770, Gruppe "Technik").

Es geht also auch darum, wie Wissensmanagementinitiativen, aber auch semantische Technologien, dem Management verkauft bzw. schmackhaft gemacht werden können. In den Diskussionen wird hierzu die Frage nach Möglichkeiten der Bewertung von Wissen aufgeworfen ("Vm: ... Du musst des Wissen, oder den, der leichteren Zugang zu Wissen musst quantifizieren können in Geldvorteil für die Firma, ..." 1065-1066, Gruppe "Technik"). Die Frage, ob in der Organisation Zeit für Wissensmanagement aufgewendet wird und entsprechende Mittel zur Verfügung gestellt werden, hat für die Teilnehmer vorrangig mit der Organisationskultur zu tun, und die muss für sie vom Management vorgegeben und vorgelebt werden. Gerade dort ist die Notwendigkeit dafür aber, da der Erfolg schwer messbar ist, auch schwer vermittelbar.

Ein weiterer Punkt, der in diesen Zusammenhang gehört, ist, dass die Bereitschaft der Mitarbeiter, ihr Wissen weiterzugeben, eine Grundvoraussetzung für ein funktionierendes Wissensmanagement ist. Hier sind Unterschiede in den einzelnen Diskussionen zu erkennen. Während diese Thematik für die Gruppen "Technik" und "DaF" weniger ein Thema ist, wird sie bei der Gruppe "Doku" zumindest als "Altlast" erwähnt ("Af: ...  grad hier wars oft so, dass es eine Holschuld und keine Bringschuld, was mich ja immer masslos gereizt hat, dass irgendwie Informationen, mit denen wurde irgendwie geknausert ..." 69-70, Gruppe "Doku") und stellt für die Gruppe "Energie" eine der Grundproblematiken dar ("Tf: Und des nächste is bei uns a nu, dass des nach wie vor diese Kultur herrscht, dass Wissen eben nicht weitergegeben wird, bzw. unsere Sicherheitssysteme, so strikt san." 1128-1129, Gruppe "Energie").

Der Umgang mit Wissen in einer Firma bzw. wie offen in einer Firma mit Wissen umgegangen wird, scheint ein weiterer Faktor zu sein, der für die Mitarbeiter ausschlaggebend ist, ob sie zum Wissen im Unternehmen bereitwillig beitragen oder nicht. Starre und strikte Berechtigungssysteme und Einschränkungen im Zugang zu Information, sowie eine Kultur, die die Konkurrenz und nicht die Kooperation unter den Mitarbeitern fördern, sind in jedem Fall einer Kultur des offenen Austauschs in einer Organisation nicht förderlich.

Anhand der Organisationen, in denen die Diskussionen durchgeführt wurden, kann kein direkter Bezug von der Art oder der Größe der Organisationen auf den Umgang mit Wissen gezogen werden. Da das Thema "Organisationskultur", und der damit verbundene Umgang mit Wissen in der Organisation, in der Diskussion der Gruppe "Energie" eine zentralere Rolle einnahm, als in den anderen Diskussionen, kann aber vermutet werden, dass sich Problematiken, die sich durch eine im Wissensmanagementsinn "falsche" Organisationskultur ergeben können, in größeren Organisation verstärken.

Wir Suchen nicht, wir Fragen lieber

Das Suchen und Finden von Information bzw. Wissen ist für die Teilnehmer in allen Diskussionen das zentrale Thema ("Em: Das is glaub ich das Thema letztlich" 833, Gruppe "Technik"). Interessant ist hier die Übereinstimmung in den einzelnen Diskussionen bei der Antwort auf die Frage, wie das Suchen in der Organisation momentan funktioniert ("Hm: Zu einem Großteil würd ich sagen, muss man eher nachfragen, an jemanden wo man weiß oder glaubt, dass derjenige das weiß. ..." 895-896, Gruppe "Technik). Der allgemeine Tenor ist der, dass Suchen über Nachfragen funktioniert und das die bestehenden Möglichkeiten zur Suche nach Information keinesfalls zufriedenstellend sind. Es werden folgende Faktoren aufgezählt, die die Suche momentan erschweren:

  • Mängel der bestehenden Suchfunktionen.
  • Information in verschiedenen Systemen bzw. an verschiedenen Orten.
  • Rigide Berechtigungsstrukturen.

Beim Thema "Suche" dürfte die Größe der Organisation eine Rolle spielen, aber auch, ob die Aufgabenverteilung in der Organisation klar strukturiert und transparent ist. Ersteres zeigt sich klar in der Diskussion der Gruppe "Energie", in der die momentanen Möglichkeiten zur Suche noch etwas drastischer dargestellt werden, als in den anderen Diskussionen ("Rm: ... Du findst eigentlich schon ned amal mehr selber, was du an Informationen, wasd ned jeden Tag brauchst, irgendwo hinglegt hast, geschweige denn dasd irgendwas von wem anderen findest. ..." 573-575, Gruppe "Energie"). Für Zweiteres spricht die in der Diskussion der Gruppe "DaF" geäußerte Meinung, dass innerhalb der Organisation klar ist, wer die entsprechenden Ansprechpartner sind ("Km: ... Wir haben schon, von der Struktur her is eigentlich schon für die meisten klar, wer wofür zuständig is. ..." 373-374, Gruppe "DaF").

Dass die "Suche" die zentrale Thematik ist, zeigt sich auch bei der Diskussion zum Thema "Semantic Web". Die Möglichkeiten, die im Semantic Web bzw. semantischen Technologien gesehen werden, gehen vor allem in Richtung einer Verbesserung der Suchfunktionen bzw. der Suchergebnisse.

Semantic Web? Kenne ich nicht.

Das Thema "Semantic Web" war, wie sich in den Diskussionen zeigte, für einen überwiegenden Teil der Teilnehmer neu. Eine Ausnahmen bildete die Gruppe "Technik", deren Teilnehmer im Vorfeld an einer Schulung/Einführung zum Thema "Semantic Web" teilgenommen hatten, und die Gruppe "Energie", in der ein Teilnehmer sich seit geraumer Zeit mit der Thematik beschäftigt hatte. Für die Gruppe "Technik" hatte dies aber kaum Auswirkungen auf die Diskussion und interessanterweise decken sich auch die vertretenen Positionen großteils mit denen der anderen Diskussionen. Für die Gruppe "Energie" war erkennbar, dass dieser "Wissensunterschied" die Teilnehmer ohne bzw. mit geringen Kenntnisse zum Thema, in der Diskussion dabei hemmte, einfach ihre Vorstellungen und Ideen zu äußern.

Grundsätzlich war der Zugang zum Thema vor allem für Teilnehmer ohne technischen Hintergrund (z.B. Gruppe "Doku", Gruppe "DaF) schwierig. Im Vorfeld der Diskussion wurde den Teilnehmern online über ein Wiki Information zum hema zur Verfügung gestellt, wieweit sie dieses Angebot genutzt haben, wurde nicht erhoben. Es war jedoch festzustellen, dass die Teilnehmer sich ohne weitere Information (Einführung zum Thema im Rahmen der Diskussion) schwer taten sich ein eigenes Bild zum Thema "Semantic Web" zu machen ("Af: ... Ich hab mir das ein bisschen angschaut ... und (2) bin ned ganz, also für mich hat sich das nicht ganz erschlossen" 139-142, Gruppe "Doku").
Ein erster Ansatzpunkt zu einem Verständnis der Teilnehmer für das Semantic Web war, dieses als Erweiterung des bestehenden Internets zu sehen ("Vm: A bissl a auffrisiertes Internet irgendwie," 623-624, Gruppe "Energie"). Der zweite Ansatzpunkt war der Begriff Bedeutung/Semantik ("Km: ... außer dass ich das Wort Semantik kenne, und i denk, dass des irgendwie ein bedeutungsdifferenzierendes (Web is), viel hätt ich mir darunter ned vorstellen können." 540-542, Gruppe "DaF"). Spätestens nach der Einführung zum Thema kam die Diskussion aber doch in allen Gruppen in Gang und auch hier wurden im wesentlichen ähnliche Punkte festgehalten.

Die Möglichkeiten, die semantische Technologien bzw. das Semantic Web bringen können werden sehr hoch eingeschätzt. In diesem Zusammenhang fallen in den Diskussionen Vergleiche mit der "Abbildung von Wirklichkeit" ("Bm: ... aber i glaub das, a wichtiger Schritt is, dass ma de Dinge, desd jetzt hast, mehr Griff verleiht oder mehr Attribute verleiht zu de Tags, mit de Tags kannst dann de Wirklichkeit besser abbilden, sozusagen in einem Web jetzt zum Beispiel. ..." 981-983, Gruppe "Doku"). Gleichzeitig löst die Vorstellung von einem "Allwissenden" oder "selbst denkenden" Web Beklemmungen aus ("Km: Is unheimlich." 581, Gruppe "DaF" | "Af: Ja, i wollt ich grad sagen, fast erschreckend." 553, Gruppe "Doku").

Ein weiteres großes Thema ist das semantische Anreichern von Inhalten. Wie das funktionieren soll, bleibt vor allem für die Teilnehmer ohne technischen Hintergrund rätselhaft ("Km: ... Es is vielleicht des technische do wieder, i kann ma des nur ganz schwer vorstellen, des wie des angereichert wird, mit semantischen Inhalten. Steht dann irgendwo unsichtbar. @(.)@ ..." 742-743, Gruppe "DaF"). Hier kommt vielleicht auch schon recht gut heraus, dass es sich beim Semantic Web um ein technisches Thema handelt, dass Personen ohne entsprechenden Hintergrund schwer bzw. nur bis zu einem gewissen Grad vermittelbar ist. Allgemein wird in allen Diskussionen festgestellt, dass das Anreichern der Inhalte nicht zu einem großen Mehraufwand führen darf, womit man wieder bei der Zeitproblematik ist, die schon beim Wissensmanagement Thema war (siehe oben). Weiters kann festgehalten werden, dass neben der Suche das Thema "Tag-Recommendation", also das automatische Vorschlagen von Stichwörtern, mit denen Inhalte angereichert werden können bzw. das automatische Anreichern von Inhalten mit semantischen Informationen, ein wichtiger Punkt beim Einsatz semantischer Technologien zu sein scheint. Wobei sich die Teilnehmer hier auch einig sind, dass das sinnvolle Anreichern von Inhalten mit semantischer Information nicht ohne menschlichen Eingriff funktionieren sollte bzw. wird ("Cf: Ja, den Sinn extrahieren, des musst immer selber machen." 1023, Gruppe "Doku").

Um nochmals auf die Frage, wie weit das Semantik Web als Technologie thematisiert bzw. vermittelt werden kann oder soll, einzugehen, ist vielleicht noch folgende Beobachtung, wiederum aus Gruppen ohne technischen Hintergrund, zu ergänzen. In diesen Diskussionen wird bei der Frage nach dem möglichen Einsatz semantischer Technologien auch sehr schnell hinterfragt, ob man die überhaupt braucht ("Km: ... Aber i denk nur schon, (3) also a bissl hab i des (2) die Frage is, brauch ma des wirklich?" 651-652, Gruppe "DaF") bzw. dass das zwar sinnvoll sein mag, aber eher für größere Organisationen ("Cf: I stell mir da jetzt eher die Anwendung vor, dass des ma sehr viele Leute haben, de an irgendwas arbeiten und an unterschiedlichsten Orten sitzen und vielleicht miteinander gar ned so viel zu tun haben konkret, was sich bei uns also, i was ned, ned der Fall wäre." 834-836, Gruppe "Doku"). Die hier angeführten Argumente lassen den Schluss zu, dass die Benutzer eigentlich über das Semantic Web gar nichts wissen wollen, sondern es nur nutzen wollen ("Tf: Des wär mein Punkt auch gewesen. Ich würd des überhaupt ned mitkriegen wollen. Ich würd einfach die Funktionalitäten nutzen wollen und irgendwann, ja, i kann irgendeinen Text eingeben und des sucht mir wunderbar und findet genau des was ich will, aber warum des und wie sich des ..." 1052-1054, Gruppe "Energie").

Vertrauen ist alles

Ein weiterer Punkt, der sich durch alle Diskussionen zieht, und sowohl beim Thema "Wissensmanagement", also auch beim Thema "Semantic Web" angesprochen wurde, ist die Gewährleistung der Richtigkeit und der Aktualität der Information bzw. des Wissens das gesammelt bzw. gesucht und gefunden wird. Die Frage, wie kann man dem "Vertrauen" was man findet, bzw. wie kann man die Qualität der gesammelten Information sicherstellen. Für die Teilnehmer war dies sowohl in der Organisation ein Thema ("Wm: ... Ja, ich seh halt das Problem, bei diesen Wikis, sobald mehrere Leute daran arbeiten, dass der Qualitätsstandard irgendwie gleich bleibt oder welche Kontrollmechanismen kann man eigentlich einbaun, dass nicht viel Blödsinn hinein kommt, ins System, eigentlich" 129-131, Gruppe "Energie"), als auch (oder gerade dann) wenn es um Information geht die man im Web bzw. im Semantic Web findet ("Km: ... wenn da natürlich sich ein Web generiert, wo, dieses Problem, des bei Wikipedia is, glaub ichs oder glaub ichs nicht, also des is ned wirklich jetzt so, dass i des ohne Bauchweh überall zitieren tat, was ich in Wikipedia rausfinde. Also des is einfach um nur einmal einen Überblick zu gewinnen, weil die Vertrauensfrage ein bissl unklar is. ..." 729-731, Gruppe "DaF").

Wobei dem Semantic Web zumindest die Möglichkeit zugedacht wird, an dieser Problematik etwas zu ändern. Dies weist wieder auf die Dringlichkeit hin, Konzepte zu entwickeln, die eben im Semantic Web die "Sicherheit" d.h. Gültigkeit und Aktualität der Information bzw. des Wissens gewährleisten, und die, wie in der Einführung zum Thema "Semantic Web" gezeigt wurde, noch fehlen5. Die Grundhaltung dazu, dass dieses Ziel erreicht werden kann, ist jedoch eher pessimistisch und die Meinung, dass Missbrauch immer vorkommen kann, herrscht vor ("Em: Genau, in dem Moment wos die Möglichkeit gibt, dass es missbraucht wird, ... Des liegt leider auch in der Natur des Menschen." 1093-1099, Gruppe "Technik"). Aus dem Web 2.0 bzw. Social Web hervorgegangene Modelle der Selbstkontrolle durch die Benutzer, werden zwar als Möglichkeit gesehen, es wird aber auch stark an ihnen gezweifelt.

Semantic Web: Nächster Schritt oder Wissensmanagementtool?

Die Verbindung zwischen Semantic Web und Wissensmanagement wird in allen Diskussionen gesehen, auch wenn keine direkten Erklärungen dafür gegeben oder gefunden werden. Semantic Web wird einerseits als nächster Schritt angeführt, der auf die Einführung eines strukturierten Wissensmanagements folgt ("Pm: Na für mi wärs eher klar ein zweiter Schritt, den ma macht ..." 950, Gruppe "Energie"), andererseits als ein Tool, das im Sinne des Wissensmanagement eingesetzt werden kann ("Cf: ...  Aber jetzt des Wissensmanagement hab i eher allgemeiner gesehen und des Semantic Web is ja dann eigentlich nur ein Konzept, das man im Sinne des Wissensmanagement einsetzten kann oder?" 1043-1045, Gruppe "Doku" | "Em: ... Es is wieder ein Baustein im Wissensmanagementpuzzle ..." 1518-1519, Gruppe "Technik").

Die Sicht auf das Semantic Web als nächsten Schritt, wird stark von der Haltung geprägt, dass zuerst eine Basis existieren muss, in die man dann diese neue Technologie integriert ("Af: ...also für mich is es Wissensmanagement, wenn man es jetzt so angschaut hat is irgendwie so das bereinigt die Basis, ja, (.) die man dann einfach wirklich erweitern kann." 973-975, Gruppe "Doku"). Hierin könnte auch wieder eine gewisse Scheu vor der Technologie gesehen werden, die man erst angreifen will, wenn das Feld sozusagen geebnet ist. Die Sicht auf das Semantic Web als "ein Baustein im Wissensmanagementpuzzle" kann in die gleiche Richtung interpretiert werden, wobei hier weniger die Scheu vor der neuen Technologie impliziert wird, sondern eher die Feststellung, dass es sich wieder um ein Konzept, eine Methode bzw. eine Technik handelt, die zum Wissensmanagement in der Organisation beitragen kann.

Ein letzter Punkt, der in allen Diskussionen ein Thema ist, und der hier auch anschließt, ist, dass das Potential des Semantic Web bzw. semantischer Technologien gerade zur Verbesserung der bestehenden Strukturen zwar hoch eingeschätzt wird, sich die Teilnehmer der einzelnen Diskussionen aber auch einig sind, dass das Semantic Web noch nicht "reif" genug ist, um es einzusetzen bzw. der Aufwand für den Nutzen, den es bringt, zu hoch ist ("Af: ... weil i denk da is sicher noch Potential, wenn i mi da kurz amal einmischen darf, is sicher Potential da, ja, /ahm/ vielleicht wird sich des dann so entwickeln dass es dann einfacher wird so etwas aufzusetzen, ... für mich schaut der Aufwand momentan auch noch sehr enorm aus" 1002-1005, Gruppe "Doku").

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Created by hel on 2009/05/18 14:35