Dieses Kapitel sollte einen Überblick zum Thema „Wissensmanagement” geben und die wesentlichen Aspekte des Themas für diese Arbeit aufzeigen. Als Abschluss werden nun anhand einiger Wissensmanagementdefinitionen und Empfehlungen zur Einführung von Wissensmanagement,nochmals die wesentlichen Fragen, die das Thema in Bezug auf diese Arbeit aufwirft, angesprochen.

Eine sehr einfache Wissensmanagementdefinition liefern Bukowitz und Williams: „Wissensmanagement ist der Prozess, mit dem eine Organisation ihre geistigen beziehungsweise wissensbasierten Aktiva gewinnbringend ausnutzt.” 1 Diese Definition stellt allerdings die Organisation in den Vordergrund und lässt die Individuen in der Organisation außen vor, die ja dieses Aktiva der Organisation im Wesentlichen darstellen. Man könnte die Aussage negativiert und verkürzt auch mit „Wissensmanagement ist der Prozess, mit dem eine Organisation ihre Mitarbeiter gewinnbringend ausnutzt” wiedergeben, was dem in der Arbeit von Bukowitz und Williams präsentierten Konzept aber keinesfalls entspricht.

Probst, Raub und Romhardt definieren Wissensmanagement als ein „integriertes Interventionskonzept, das sich mit den Möglichkeiten zur Gestaltung der organisationalen Wissensbasis befasst“.2 Sie definieren die organisationale Wissensbasis im Weiteren wie folgt: „Die organisationale Wissensbasis setzt sich aus individuellen und kollektiven Wissensbeständen zusammen, auf die eine Organisation zur Lösung ihrer Aufgaben zurückgreifen kann. Sie umfasst darüber hinaus die Daten und Informationsbestände, auf welches individuelles und organisationales Wissen aufbaut.”3 Probst definiert also eigentlich erst die „Wissensbasis” der Organisation durch eine Dreiteilung in individuelles Wissen der Mitarbeiter, kollektives Wissen der Organisation und - sozusagen als Basis - das formalisierte Wissen, das als Daten und Information im Unternehmen vorhanden ist. Wissensmanagement soll schließlich Ideen und Konzepte liefern, wie diese Wissensbasis entwickelt und genutzt werden kann.

North wiederum bietet keine Definition des Begriffs, definiert aber dafür drei Handlungsfelder des Wissensmanagements4:

  • strategisches Wissensmanagement
    Das strategische Wissensmanagement definiert die Wissensziele und schafft die Rahmenbedingungen und Strukturen für deren Erreichung. Unter Wissensziele werden hierbei die Fähigkeiten und Kompetenzen verstanden, die benötigt werden, um eine erfolgreiche Entwicklung der Organisation zu gewährleisten.
  • operatives Wissensmanagement
    Das operative Wissensmanagement sorgt dafür, dass ein strukturierter und kontinuierlicher Wissensaufbau in der Organisation gewährleistet wird.
    Informations- und Datenmanagement
    Der gezielte Einsatz von Technologien zum Informations- und Datenmanagement ist wie auch aus der vorigen Definition von Probst ersichtlich nicht nur bei North Voraussetzung für ein funktionierendes Wissensmanagement. In diesem Zusammenhang werden aber meist zwei einschränkende Faktoren angeführt:
    • ”Wie wir in Untersuchungen feststellen konnten, beginnen viele Unternehmen Initiativen unter dem Namen Wissensmanagement mit Maßnahmen des Informations- und Datenmanagement, stellen aber dann fest, dass Informations- und Kommunikationstechnologie ohne entsprechende organisatorische und motivationale Rahmenbedingungen nur ungenügend genutzt wird.”5
    • ”Wissensmanagement ist jedoch nicht gleich Informationsmanagement. Wir haben bereits betont, dass es keine „Wissensdatenbanken” geben kann [...]”6

Abschließend sollen anhand von vier Empfehlungen für die Einführung von Wissensmanagement7 nochmals die wesentlichen Faktoren für das Funktionieren von Wissensmanagementinitiativen in Organisationen zusammengefasst werden.

  • Kulturveränderung statt IT-Lösung
    Es gibt keine technische Lösung für das Grundproblem, dem man bei der Einführung von Wissensmanagement in einer Organisation gegenübersteht, nämlich die beteiligten Personen dazu zu bewegen, ihr Wissen zu teilen. Wissen ist eine sehr persönliche Ressource und niemand kann gezwungen werden, sein Wissen zu teilen, und niemand wird dies tun, ohne auch etwas dafür zu bekommen. Am Anfang sollte demnach eine Auseinandersetzung mit der momentanen Organisationskultur stehen und eine konkrete Vision, wie diese aussehen soll, entwickelt werden.
  • Gut platzierte Pilotprojekte statt Top-Down Lösungen
    Auch wenn die Unterstützung von oberster Ebene für die Einführung von Wissensmanagement in einer Organisation eine Grundvoraussetzung ist, kann Wissensmanagement nicht von oben verordnet werden. Die gezielte Entwicklung von Lösungen für einzelne Bereiche bietet einerseits die Möglichkeit, schnell Ergebnisse vorweisen zu können und damit Aufmerksamkeit auf das Thema zu lenken und Glaubwürdigkeit für das Thema zu gewinnen. Andererseits können im kleinen Rahmen Erfahrungen gesammelt und Strategien entwickelt werden, die dann auch bei der Einführung von Lösungen in der gesamten Organisation eingesetzt werden können.
  • Geduldige Stärkung der Wissensbasierung statt kurzfristiger Lösungen
    ”Jeder, der eine schnelle, kurzfristige Lösung des „Wissensproblems” erwartet, verkennt den entscheidenden Punkt, der Wissensmanagement in der gegenwärtigen gesellschaftlichen und ökonomischen Lage zum Thema macht.”8 Es ist nicht damit getan, das bestehende Wissen schnell in eine Datenbank zu bringen. Der Aufbau einer Wissensbasis erfordert einen permanenten Prozess, der als Teil des Arbeitsalltags in der Organisation etabliert werden muss.
  • Entwicklung angepasster Instrumente statt Anwendung einer Toolbox
    Hieran knüpft sich der Gedanke an, nicht einfach neue Instrumente und Technologien einzuführen, sondern bei den bestehenden Strukturen anzusetzen und hier die Stärken und Schwächen herauszuarbeiten und dann entsprechende „angepasste” Lösungen zu entwickeln, um die eigenen Stärken auszubauen und die Schwächen abzubauen. Laut Willke widerspricht es der Grundidee von Wissensmanagement, dass es Patentrezepte gibt, die allgemein eingesetzt werden können, und dem möchte ich mich anschließen.
  1. ^ Bukowitz 2002, S. 10
  2. ^ Probst 1998, S.45
  3. ^ Probst 1998, S.44
  4. ^ North 2005, S.35
  5. ^ North 2005, S.35-36
  6. ^ (North 2005, S.298
  7. ^ Willke 2007, S. 67ff
  8. ^ Willke 2007, S. 73
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Created by hel on 2009/03/26 17:04