Für das Wissensmanagement relevant scheint in erster Linie die Unterscheidung zwischen persönlichem und organisationalem oder institutionellem Wissen. Wobei hier hinterfragt werden muss, ob es organisationales/institutionelles Wissen geben kann, da auch immer wieder festgehalten wird, dass Wissen ja grundsätzlich an Personen gebunden ist. „In a strict sense, knowledge is created by individuals. An organization cannot create knowledge without individuals. The organization supports creative individuals or provides contexts for them to create knowledge. Organizational knowledge creation therefore should be understood as a process that “organizationally” amplifies the knowledge created by individuals and crystallizes it as a part of the knowledge network of the organization.”1

Eine weitere wichtige Unterscheidung bilden die Begriffe implizites Wissen (Tacit Knowledge) und explizites Wissen (Explicit Knowledge). Die Unterscheidung zwischen implizitem und explizitem Wissen geht auf Michael Polanyi2 zurück. Sie findet in mehreren Ansätzen ihren Eingang, so bauen Ikujiro Nonaka und Hirotaka Takeuchi ihr Konzept der Wissensspirale darauf auf.

  • Sozialisation
    ”Socialization is a process of sharing experiences and thereby creating tacit knowledge such as shared mental models and technical skills.”3 Gemeint ist hier das Lernen durch Beobachten und Nachahmen z.B. im Verhältnis Lehrling und Meister oder aber ganz einfach am Arbeitsplatz (Wie macht das denn der Nachbar?)
  • Externalisierung
    ”Externalization is a process of articulating tacit knowledge into explicit concepts.”4 Damit ist die Visualisierung von Ideen bzw. die Schaffung von Konzepten gemeint. Der Versuch, das, was wir intuitiv wahrnehmen und begreifen, fassbar zu machen. Eigentlich die schwierigste aber auch die wichtigste Form der Wissensumwandlung.
  • Kombination
    ”Combination is a process of systemizing concepts into a knowledge system. This mode of knowledge conversion involves combining different bodies of explicit knowledge.”5 Durch Kombination bestehenden Wissens bzw. von Konzepten kann neues Wissen geschaffen werden, z.B. wenn Anwenderdaten verwendet werden, um Anwenderprofile oder Typen von Anwendern zu definieren.
  • Internalisierung
    ”Internalization is a process of embodying explicit knowledge into tacit knowledge. It is closely related to “learning by doing”.6 Durch die Aneignung von explizitem Wissen kann explizites Wissen wieder „individualisiert” werden, indem z.B. durch Lesen der Dokumentation Kenntnisse zu einem Produkt oder einem Programm erworben und ausprobiert werden.

WissensspiraleDie Wissensspirale (Nonaka 1995, S. 71)

Im Konzept der Wissensspirale sollen diese vier Formen der Wissensumwandlung als permanenter Prozess die Generierung von neuem Wissen fördern und vorantreiben. „Ausgangspunkt der Spirale ist der einzelne Mitarbeiter und seine Fähigkeit Wissen zu erzeugen. Durch die Kommunikation der Mitarbeiter im Kollektiv gibt der einzelne sein eigenes Wissen preis (Externalisierung) und überträgt es dadurch auf andere. Andererseits internalisiert der einzelne den Erfahrungshintergrund des gesamten Kollektivs (Internalisierung).”7 Man könnte noch hinzufügen, dass der Einzelne sich vielleicht an den Werten und Handlungen der anderen orientiert (Sozialisation) und dass das Wissen, das Einzelne preisgeben durch Einbindung in einen neuen Kontext (Kombination), wieder zu neuem Wissen gemacht wird. Grundsätzlich muss man auch feststellen, dass das implizite Wissen immer personengebunden ist, also persönliches Wissen darstellt, während das explizite „preisgegebene” Wissen nicht mehr personengebunden ist und damit eher organisationales/institutionelles Wissen darstellt.

Auch im Konzept von Wendi R. Bukowitz und Ruth L. Williams findet sich eine ähnliche Unterscheidung.8 Hier wird differenziert zwischen „bewusstem Wissen, von dem eine Person weiß, dass sie es besitzt”, was in etwa dem expliziten Wissen entspricht, und „unbewusstem Wissen, von dem eine Person nicht weiß, dass sie es besitzt, weil es zu einem festen Bestandteil ihrer Arbeitsweise geworden ist”, was in etwa dem impliziten Wissen entspricht. Bukowitz führt zwar auch die Begriffe implizites und explizites Wissen ein und referenziert auf Nonaka, dass Sie dann trotzdem noch zwei weitere Unterscheidungen einführt, mag die gleichen Gründe haben, die auch North anführt:

Im eben beschriebenen Modell der Wissensumwandlung von privat zu kollektiv und implizit zu explizit wird jedoch nicht berücksichtigt, dass durch strukturelle bzw. motivationale Barrieren in der Organisation Wissen im Unternehmen ungleich verteilt ist (lokale Wissensbasen), andererseits vorhandenes Wissen zum benötigten Zeitpunkt am gewünschten Ort nicht zur Verfügung steht.9

  1. ^ Nonaka 1995, S. 59
  2. ^ Polanyi 1966
  3. ^ Nonaka 1995, S. 62
  4. ^ Nonaka 1995, S. 64
  5. ^ Nonaka 1995, S. 67
  6. ^ Nonaka 1995, S. 69
  7. ^ North 2005, S. 45
  8. ^ Bukowitz 2002, S. 14
  9. ^ North 2005, S. 47
Created by HelmutLehner on 2009/03/16 18:27