World Wide Web versus Semantic Web

Das Internet, World Wide Web oder einfach das Web ist wohl das Sinnbild schlechthin für den Wandel unserer Gesellschaft von der Industrie- zur Informationsgesellschaft oder zur Wissensgesellschaft: eine für „jeden” zugängliche - dass „jeden“ hier noch immer vor allem die westliche Industriegesellschaft meint, sei dahingestellt - unermessliche Quelle an Information. Was sind nun die wesentlichen Faktoren, die das Web ausmachen?1

  • Die Aktualität der bereitgestellten Information.
    Das Web bietet die Möglichkeit, Information jederzeit schnell zu aktualisieren und praktisch ohne Verzögerung wieder zum Empfänger zu bringen.
  • Die Verfügbarkeit von Information.
    Das Web bietet die Möglichkeit, prinzipiell von jedem Ort aus - vorausgesetzt natürlich. es besteht eine Verbindung zum Web - auf die im Web bereitgestellte Information zuzugreifen.
  • Die Liberalisierung der Bereitstellung von Information.
    Das Web ermöglicht durch niedrige Kosten einen leichten und breiteren Zugang zu der im Web verfügbaren Information bzw. natürlich umgekehrt eine einfache Möglichkeit für „jedermann” zum Bereitstellen von Information.

Aus den Stärken des Web ergeben sich aber auch seine Schwächen. „Alles in allem zeichnet sich ein Bild eines Web mit einer unüberschaubaren Menge präsenter Informationen, deren Repräsentation - und hierin besteht das Problem - auf den Mensch als Endbenutzer ausgerichtet ist.”2 Wir sprechen von einem Web von Dokumenten, die zwar miteinander verbunden sind, deren Inhalt und Zusammenhang sich aber nur durch das Lesen der Inhalte erschließt. Suchfunktionen und Suchmaschinen können diese Dokumente nach Stichworten durchsuchen und liefern damit sehr ungenaue Ergebnisse bzw. eine große Zahl von Ergebnissen, aus denen die gesuchte Information wiederum „mühsam” gefiltert werden muss. Das Suchen und Filtern der gewünschten Information im Web ist eine Arbeit, die nicht ohne menschlichen Eingriff durchgeführt werden kann.

Dabei wäre gerade das Web dazu angetan, Anknüpfungspunkte für die Anreicherung der Inhalte mit Information zu bieten. „The Internet is a giant semiotic system. It is a massive collection of Peirce’s three kinds of signs: icons, which show the form of something; indices, which point to something; and symbols, which represent something according to some convention.”3 Es geht also um Metadaten und im Fall von Semantic Web um den Einsatz strukturierter Metadaten, die in unterschiedlichen Anwendungen verwendet werden können und untereinander austauschbar sind, die „semantische Information” liefern, die nicht nur dem Menschen, sondern auch Suchmaschinen, Browsern oder jeder anderen denkbaren Applikation zur Verfügung stehen. Deshalb wird im Zusammenhang mit dem Semantic Web auch von einem Web von Daten gesprochen.

In ihrem Artikel „Semantic Web - Geschichte und Ausblick einer Vision” halten Klaus Tochtermann und Hermann Maurer fest4, dass man sich schon in der Forschung über künstliche Intelligenz mit automatischen Schlussfolgerungen von Maschinen auf semantischer Ebene auseinandergesetzt hat und das Semantic Web stark auf diese Erkenntnisse aufbaut. Auch das Ableiten von Semantik aus vorhandenen Daten ist nicht neu und Methoden zur automatischen Informationsextraktion sind ein weiterer Baustein des Semantic Web. Auch die Verteiltheit oder die Verfügbarkeit von großen Mengen an Information wurde ja schon bei der Charakterisierung des World Wide Web weiter oben angeführt. „Neu ist jedoch die Kombination dieser Elemente. Das Semantic Web ist eine effektivere Zusammenführung auf einheitlicher Basis mit breiterem Anspruch.”5

Der breite Zugang zum Web impliziert eine dezentrale Struktur und Organisation des Web. Das führt wiederum zur Heterogenität der vorhandenen Information. Es werden verschiedene Formate, Kodierungen und Sprachen verwendet und die Möglichkeiten zur Repräsentation und Strukturierung der Informationen sind offen. Das Sammeln und einheitliche Aufbereiten oder gar Weiterverwenden von Information aus verschiedenen Quellen wird dadurch nahezu unmöglich. Einerseits ermöglicht die dezentrale Struktur des Web dadurch eine Vielfalt, die nicht eingeschränkt werden soll. Anderseits muss es aber auch gewisse Strukturen geben, um eben die Möglichkeit zu schaffen Informationen aus verschiedenen Quellen verbinden zu können. „[Die] Vision des Semantic Web [beschreibt] selbst ein dezentrales Netz, das mit einem Minimum an zentral koordinierten Elementen (einer Handvoll technischer Standards) auskommt, wohingegen die Inhalte, und zwar einschließlich ihrer semantischen Dimension, [...] verteilt entstehen und sich bloß der Standards bedienen, um Interoperabilität sicherzustellen.”6

  1. ^ Hitzler 2008, S.10ff
  2. ^ Hitzler 2008, S.10
  3. ^ Sowa 2000, Stand 11.3.2009
  4. ^ Tochtermann 2006, S. 2ff
  5. ^ Tochtermann 2006, S. 3
  6. ^ Tochtermann 2006, S. 3
Created by hel on 2008/10/18 18:47