„In wirtschaftlich hoch entwickelten Gesellschaften, vor allem in Europa, Nordamerika, Ja­pan und Australien, hat sich Wissen zu einem bedeutenden Produktionsfaktor entwickelt, vielleicht sogar schon zu dem bedeutendsten.”1 Dies führt dazu, dass der Umgang mit Wissen überdacht und Konzepte und Strategien zum Umgang mit Wissen entwickelt wer­den müssen. Der Begriff „Wissensmanagement” wurde erst verhältnismäßig spät einge­führt. Erste Artikel zum Thema erschienen in den 90er Jahren des vorigen Jahrhunderts (z.B. Nonaka 1991), die Auseinandersetzung mit und die Entwicklung von Techniken zum Umgang mit Wissen hat eine viel längere Tradition und genau genommen war „Wissens­management” immer Teil der Menschheitsentwicklung.

Mit Einführung des Begriffs „Wissensmanagement” in der Managementliteratur wurde die­ses Thema bald zu einem Modethema. In frühen Wissensmanagementprojekten wurde sehr stark auf den Einsatz moderner Informationstechnologien gesetzt, in der Annahme, das Entwickeln großer Wissensportale sei ausreichend, um die Verwaltung, Generierung und Verfügbarkeit von Wissen in Unternehmen zu gewährleisten. Viele dieser Projekte brachten nicht den erwarteten Erfolg und das Thema Wissensmanagement wurde in Unternehmen und Managementkreisen, die damit schlechte Erfahrungen gemacht hatten, genauso schnell wieder abgeschrieben, wie es aufgetaucht war.

So wurde und wird der Begriff „Wissensmanagement“ durchaus kritisch diskutiert. T.D. Wilson stellt in seinem Artikel „The nonsense of ‘knowledge management’” fest: „The growth of ‘knowledge management’ as a strategy of consultancy companies is one of a series of such strategies dating from Taylor’s (1911) ‘scientific management’ of the early part of the last century.”2 Er führt in seinem Artikel weiter aus, dass Wissensmanagement im Wesentlichen eine Strategie von Consulting-Unternehmen ist, um Informationsmanagement unter einem anderen Deckmäntelchen neu zu verkaufen und das vielfach die Begriffe Information und Wissen synonym gesetzt werden, was so natürlich nicht zulässig ist.

Auch Eschenbach und Geyer halten in ihrer Einführung zu „12 Konzepten im Umgang mit Wissen im Management” fest, dass der Begriff „Wissensmanagement“ eigentlich ungeeignet ist, da sich der Begriff „Management“ auf Menschen und nicht auf Dinge bezieht und wir Wissen eigentlich nur nutzen, aber nicht managen können. Sie halten dabei fest: „Notwendig ist daher nicht Wissensmanagement, sondern erstens ein professioneller Umgang mit Wissen und zweitens professionelles Management von Menschen, die vorwiegend geistige Arbeit leisten - so genannten Wissensarbeiterinnen und Wissensarbeitern.”3

In beiden Kritiken des Begriffs stecken schon die zwei wesentlichen Kriterien, die in allen Wissensmanagementheorien eine Rolle spielen, die Auseinandersetzung mit dem Begriff „Wissen“ und die Auseinandersetzung mit Managementstrategien, die Menschen im Umgang mit Wissen unterstützen sollen. Am Ende des Abschnitts werden nochmal die wichtigsten Aspekte im Hinblick auf diese Arbeit zusammengefasst.

  1. ^ Eschenbach 2004, S. 9
  2. ^ Wilson 2002, Stand 12.5.2009
  3. ^ Eschenbach 2004, S. 10
Created by hel on 2008/09/13 17:07